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	<title>Allgemein &#8211; Hawkeye</title>
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	<description>Sport Podcast</description>
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	<title>Allgemein &#8211; Hawkeye</title>
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		<title>Wie der ESPN-NFL-Deal den Sportjournalismus tackelt</title>
		<link>https://hawkeyepod.de/wie-der-espn-nfl-deal-den-sportjournalismus-tackelt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Kratochvil]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Mar 2026 12:41:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Tausch für Medienrechte erhält die National Football League 10 % am größten US-amerikanischen Sportsender ESPN. Ein weiterer Schlag in die Magengrube des unabhängigen Sportjournalismus.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Noch erfordert der Abschluss der Vereinbarung grünes Licht der Regulierungsbehörden. Der kartellrechtliche Prüfprozess des US-Justizministeriums kann bis zu zwölf Monate dauern. Und schon hier kommt der unabhängige Sportjournalismus zum ersten Mal ins Straucheln. Donald Trump hat die einflussreiche Bundesbehörde mit Vertrauten besetzt, was zuletzt erhebliche Auswirkungen auf die Fusion der Medienhäuser&nbsp;<em>Paramount</em>&nbsp;und&nbsp;<em>Skydance</em>&nbsp;hatte. Einen 16 Millionen USD hohen Vergleich mit Trump und eine Kündigung von Late-Night-Talker Stephen Colbert später wurde das Geschäft durchgewunken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch&nbsp;<em>NFL</em>&nbsp;und&nbsp;<em>ESPN</em>&nbsp;werden aufs Wohlwollen im Weißen Haus angewiesen sein, um die Freigabe nicht zu gefährden. Beispielsweise drohte Trump zuletzt öffentlich, den Bau eines neuen&nbsp;<em>NFL</em>-Stadions in Washington D.C. zu blockieren, falls das Team&nbsp;<em>Washington Commanders</em>&nbsp;den 2020 eingeführten neuen Namen nicht wieder in „<em>Redskins</em>“ rückbenennt. Dass&nbsp;<em>ESPN</em>&nbsp;über ein solches Thema in Zukunft kritisch und unabhängig berichtet, wird nun immer unwahrscheinlicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das&nbsp;<em>Entertainment and Sports Programming Network</em>, bislang zu 80 % im Eigentum von&nbsp;<em>Disney</em>, ist seit Jahrzehnten der dominierende Sport-TV-Anbieter in den USA. Gestartet 1979 hat sich die Organisation von einem reinen Kabelkanal zu einem multimedialen Imperium mit TV-, Online- und Streaming-Angeboten entwickelt. Über sein Pay-TV-Bündel erreicht&nbsp;<em>ESPN</em>&nbsp;bis zu 75 Mio. US-Haushalte. Zusätzlich abonnieren etwa 25 Mio. Nutzer den Streamingdienst&nbsp;<em>ESPN+</em>&nbsp;, der seit 2018 verfügbar ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch hatte das Unternehmen mit der digitalen Disruption des Marktes zu kämpfen. Sinkende Kabel-TV-Abonnements zwangen&nbsp;<em>ESPN</em>, sich neu aufzustellen.&nbsp;<em>Disney</em>-CEO Bob Iger verfolgt die Strategie,&nbsp;<em>ESPN</em>&nbsp;stärker direkt an Endkunden zu bringen. Noch im Herbst 2025 soll ein eigenständiges&nbsp;<em>ESPN</em>-Streaming-Netzwerk starten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der&nbsp;<em>NFL</em>-Deal passt also genau in diesen Kurs.&nbsp;<em>ESPN</em>&nbsp;erhält das Recht, die digitalen Kanäle&nbsp;<em>NFL Network</em>&nbsp;und&nbsp;<em>RedZone</em>&nbsp;sowohl im klassischen Kabel als auch auf der neuen Plattform zu verbreiten. Durch die Verschmelzung der Fantasy-Football-Plattformen von&nbsp;<em>NFL</em>&nbsp;und&nbsp;<em>ESPN</em>&nbsp;verspricht man sich zusätzliche Nutzerbindung in der digitalen Welt. Alleine 2024 generierte die&nbsp;<em>NFL</em>&nbsp;beeindruckende 11 Milliarden USD aus Medienrechten. Der Gegenwert der Anteile von 2,5 Milliarden USD erscheint somit mehr als günstig (<em>ESPN</em>&nbsp;wird aktuell auf 25 Milliarden USD geschätzt).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun gelten Rechteträger gegenüber ihren Rechtegebern in ihrer Berichterstattung so schon als zurückhaltend. Schließlich will man weder zukünftige Vergaben gefährden, noch das Produkt schädigen, das man teuer erstanden hat. Auch galt&nbsp;<em>ESPN</em>&nbsp;nie als besonders investigativ oder kritisch. Der geschlossene Deal dürfte diese Tendenz aber in Blei gießen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei hatte gerade die&nbsp;<em>NFL</em>, mehr als jede andere US-Profiliga, in den vergangenen Jahren mit schlechter Presse zu kämpfen &#8211; allen voran der Streit um die Hirnkrankheit CTE (chronische traumatische Enzephalopathie), ausgelöst durch wiederholte Kopftraumata, wobei die Liga jahrelang die Risiken heruntergespielt und vertuscht haben soll. 2013 folgte ein Vergleich über hunderte Millionen Dollar für betroffene Ex-Spieler. Daneben sorgten Affären wie&nbsp;<em>Bountygate</em>&nbsp;(Prämien für das Verletzen von Gegnern),&nbsp;<em>Deflategate</em>&nbsp;(manipulierte Spielbälle), Gewalt- und Missbrauchsfälle sowie die Kontroverse um Colin Kaepernicks Proteste gegen Polizeigewalt für Schlagzeilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch obwohl&nbsp;<em>ESPN</em>&nbsp;mit diesem Deal auch die letzte journalistische Durchschlagskraft verloren gehen wird, ist absehbar, dass seine Dominanz in der nordamerikanischen Medienlandschaft zunehmen wird. Denn während traditionelle, dem unabhängigen Journalismus verpflichtete Titel ihre Sportredaktionen abbauen &#8211; die prestigeträchtige&nbsp;<em>New York Times</em>&nbsp;übernahm das Portal&nbsp;<em>The Athletic</em>&nbsp;und schloss 2023 die ihre sogar gänzlich &#8211; dürfte&nbsp;<em>ESPN</em>&nbsp;mit den Medienrechten der wertvollsten Liga des Kontinents und den damit verbundenen Ressourcen nur an Gewicht gewinnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommen „günstige“ Synergien. Es ist absehbar, dass bei der&nbsp;<em>NFL</em>&nbsp;jene Werbetreibende besonders wohl gelitten sein werden, die sich auch mit&nbsp;<em>ESPN</em>&nbsp;gut verstehen. Ein weiterer Vorteil, insbesondere im Wettbewerb mit von Werbeeinnahmen abhängigen Medienhäusern. Sollten diese auf die wahnwitzige Idee kommen, trotzdem um NFL-Rechte bieten zu wollen, könnten sich diese in noch unerschwinglichere Höhen hochschrauben. Dort dürften sie auf die steigenden Abo-Preise treffen. Denn ist die potenzielle Konkurrenz erstmal kaltgestellt, hätte&nbsp;<em>ESPN</em>&nbsp;auch hier deutlich mehr Freiheiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ähnliche Muster lassen sich zunehmend auch in Europa feststellen, sogar in Deutschland. Der Einstieg des saudi-arabischen Staatsfonds im Streamingdienst&nbsp;<em>DAZN</em>&nbsp;(<em>PIF</em>&nbsp;erwarb Anteile für eine Millarde EUR) erfolgte vorm Hintergrund der Vergabe der Fußball-WM an Saudi Arabien. Gleichzeitig erwarb&nbsp;<em>DAZN</em>&nbsp;von der&nbsp;<em>FIFA</em>&nbsp;die Übertragungsrechte an der Klub-WM &#8211; für ziemlich genau eine Milliarde EUR. Von kritischer Berichterstattung zu leeren Sportstätten oder anderweitigen Problemen des Wettbewerbs hörte man danach wenig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen anderen Grund dürfte der Einstieg der&nbsp;<em>Deutschen Fußball-Liga</em>&nbsp;(<em>DFL</em>) in den jungen Streamingdienst&nbsp;<em>DYN</em>&nbsp;haben (Anteil etwa 6,5 %). Die DFL wünscht sich seit Längerem eine eigene Video-Plattform, um den internationalen und später vielleicht auch nationalen Markt direkt zu versorgen. Die Koppelung an&nbsp;<em>DYN</em>&nbsp;könnte teilweise den geplatzten Investorendeal ersetzen, der das notwendige Kapital für eine eigene OTT-Plattform liefern sollte. Auch bei&nbsp;<em>DYN</em>&nbsp;entsteht so aber eine Blutsverwandschaft, die jegliche Neutralität aushebelt &#8211; wenn nicht per Direktive, dann vielleicht per gut gemeinter Selbstzensur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun handelt es sich bei&nbsp;<em>DAZN</em>&nbsp;und&nbsp;<em>DYN</em>&nbsp;um neue Medien des Streaming-Zeitalters, deren redaktionelles Programm nur wenige bis gar keine investigative Formate vorsieht &#8211; und diesen fehlenden Anspruch auch gar nicht versucht zu kaschieren. Indem sie aber immer größere Anteile des Rechtemarktes für sich beanspruchen, schrumpft die Bedeutung unabhängiger Alternativen. Man sieht so nur noch deutlicher den Wert öffentlich-rechtlicher Medienanstalten, die trotz Rechteinhaberschaft, problematische Umstände rund um Großveranstaltungen wie Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften aktiv hinterfragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer aber schlägt Alarm? Die gemeinnützige Organisation&nbsp;<em>Public Knowledge</em>&nbsp;etwa warnte jüngst vor Konzentrationstendenzen im Sportstreaming-Markt und sogar der US-Senat befasste sich in Anhörungen mit steigenden Kosten und fehlendem Wettbewerb. In Deutschland dürften Organisationen wie der&nbsp;<em>Deutsche Journalisten-Verband</em>&nbsp;(DJV) oder andere Medienwächter vergleichbare Bedenken anmelden, wenn Verbände wie die&nbsp;<em>DFL</em>&nbsp;in Medienunternehmen einsteigen. Noch sind die hiesigen Stimmen aber leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die historisch gewachsene Trennung zwischen Sportveranstalter und Sportjournalist wird also immer weiter aufgehoben. Sollten die beschriebenen Allianzen für alle Beteiligten erfolgreich sein, könnte ein internationaler Nachahmeffekt einsetzen. Für Sportfans mag das auf den ersten Blick mehr Inhalte „aus einer Hand“ bedeuten. Langfristig droht jedoch ein Ökosystem, in dem kritische Nachfragen verstummen, unbequeme Geschichten unerzählt bleiben und journalistische Stimmen hinter kommerziellen Interessen zurücktreten. Es liegt an den verbleibenden unabhängigen Medien und Institutionen, dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen – und die Fackel des kritischen Sportjournalismus hochzuhalten, bevor sie erlischt.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Warum dank KI weniger Talente in die Sportindustrie finden</title>
		<link>https://hawkeyepod.de/warum-dank-ki-weniger-talente-in-die-sportindustrie-finden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Kratochvil]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Feb 2026 12:45:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Sport lebt von seiner Jugend - als Aktive, Kunden und günstige, wenn nicht sogar kostenlose Arbeitskräfte. Dank KI wird es für sie aber zunehmend schwerer einen Berufseinstieg zu finden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Das Dilemma ist schnell zusammengefasst: Früher hieß es, ein Praktikum bei der Agentur, ein Volontariat beim Verband, ein Jahr lang Pressemitteilungen redigieren, Statistiken pflegen, Reisen organisieren, dann kommt der nächste Schritt. Solche Aufgaben erledigen nun aber immer mehr Programme, die nie müde werden, keine Gehälter verlangen und dem Abteilungsleiter nicht &#8222;dumm mit Work-Life-Balance kommen&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was nur wie eine fortschreitende Optimierung der Arbeitsprozesse klingt, vielleicht sogar eine Lösung für den Mangel an Ehrenamtlichen, könnte früher als erwartet zu einem spürbaren Brain-Drain der Sportindustrie führen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Das Nadelöhr wird kleiner</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Dass Künstliche Intelligenz als erstes Routinejobs fressen würde, war absehbar gewesen. Doch damit verschwinden genau jene Einstiege, über die Generationen vor ihr ins Sportbusiness gelangten. Die erste Sprosse der Karriereleiter war nie komfortabel, aber sie war da. Wer sich bewährte, durfte hochklettern. Jetzt verschwindet diese Stufe &#8211; und irgendwann die zweite und später auch die dritte. Eine&nbsp;<a target="_blank" rel="noreferrer noopener" href="https://www.cnbc.com/2025/08/28/generative-ai-reshapes-us-job-market-stanford-study-shows-entry-level-young-workers.html">Stanford-Studie</a>&nbsp;zeigt, dass in den am stärksten KI-gefährdeten Jobs die Zahl junger Berufseinsteiger seit 2022 (Launch von ChatGPT) um 13 Prozent sank – während Ältere im selben Bereich sogar zulegten. Den einfachen „Junior Job“ gibt es immer weniger. Der Einstieg wird zum Nadelöhr.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Junge Industrie:</em></strong><em>&nbsp;Laut&nbsp;</em><a target="_blank" rel="noreferrer noopener" href="https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Employment_in_sport&amp;action=statexp-seat&amp;lang=de"><em>Eurostat</em></a><em>&nbsp;waren in der EU 1,6 Millionen Menschen im Sport beschäftigt, 0,8 % der Gesamtbevölkerung (0,6 % in Deutschland). Betrachte man die Beschäftigung nach Alter, so gehörten die meisten im Sport Beschäftigten zur Altersgruppe der 30- bis 64-Jährigen. Bemerkenswert ist, dass der Anteil der im Sport beschäftigten jungen Menschen im Alter von 15 bis 29 Jahren mehr als doppelt so hoch war wie der Anteil der Gesamtbeschäftigung, im Jahr 2024 trotz Wachstums der Gesamtzahlen aber zurückging.</em></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu kommt die vielleicht größte Absurdität des Sports: Seine glänzenden, milliardenschweren Statuen ruhen auf un(ter)bezahlten Fundamenten. In&nbsp;<a target="_blank" rel="noreferrer noopener" href="https://www.dfb.de/news/faq-das-ehrenamt-im-amateurfussball#:~:text=Wie%20viele%20Menschen%20engagieren%20sich%20im%20Fu%C3%9Fball%3F,Tr%C3%A4ger%20b%C3%BCrgerschaftlichen%20und%20zivilgesellschaftlichen%20Engagements.">Deutschland engagieren sich knapp neun Millionen Menschen ehrenamtlich</a>&nbsp;in Sportvereinen. In der Schweiz leisten&nbsp;<a target="_blank" rel="noreferrer noopener" href="https://www.swisstopsport.ch/de/partner/swiss-volunteers">735.000 Freiwillige jährlich 73 Millionen Arbeitsstunden</a>. Sport weckt derartige Leidenschaften, dass Jung wie Alt bereit sind, selbst für den allerschmalsten Taler zu arbeiten. Doch auch vermeintlich kostenlose Arbeitskräfte kosten Geld, in Ausstattung, in Betreuung. Kann der Abteilungsleiter mit einer App die Werkstudentin ersetzen, die die Mitgliederliste pflegt, wird er es tun &#8211; im Verein, ebenso wie in der Marketingagentur.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Versteckte Chancen?</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Diesem Trend wirkt ein Schwund an Ehrenamtlichen in Verein und Verband entgegen.&nbsp;<a target="_blank" rel="noreferrer noopener" href="https://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/ehrenamtler-fehlen-dramatische-entwicklung-im-deutschen-sport-110473714.html">Jeder sechste Sportverein soll sich in seiner Existenz bedroht sehen</a>. Die fortschreitende Automatisierung &#8222;einfacher Stellen&#8220; dürfte hier zu Entlastungen führen &#8211; die Buchhaltung wird vereinfacht, der Spieltagsflyer mit zwei Klicks aktualisiert. Und sollte das Arbeitsangebot in der Sportindustrie wegfallen, finden jene Talente dann nicht vielleicht den Weg in die Vereine?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Nichten und im Gegenteil.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Vereinssport fehlen die meisten Ehrenamtlichen auf sozialen also analogen Stellen &#8211; etwa als Übungsleiterinnen über Materialwärte. Außerdem ist hier zwischen echtem Berufseinstieg, Nebenjobs und Ehrenamt zu unterscheiden. Das eine ersetzt das andere nicht. Und finden junge Menschen keinen Job, geraten sie in prekäre Lebenslagen, bedeutet das noch weniger Freizeit, noch weniger Motivation, um sich auch ehrenamtlich zu engagieren. Wer heute jung ist, muss doppelt kämpfen – gegen Algorithmen und gegen Strukturen, die Nachwuchs nur als unbezahlte Ressource begreifen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Rampen bauen</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Echte Chancen verbergen sich aber in einer Kombination aus den Kompetenzen junger Menschen und des technologischen Fortschritts. Es ist für sie einfacher als je zuvor, eigene Projekte zu starten, eigene Sportgruppen, Sport-Apps, Events oder Unternehmen. Für die Sportindustrie kommt diese Entwicklung mit einem Beigeschmack. Denn überlässt sie diese Generation ihrem Schicksal, wird es sich heimzahlen. Denn nicht alle diese Projekte werden im Sport verankert sein &#8211; und schon gar nicht in den Strukturen föderal-verkrusteter Verbände.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Professionelle Vereine und Verbände, Handel, Sportartikelhersteller, Agenturen, Event-Veranstalter &#8211; sie alle werden lernen müssen, Rampen zu bauen und sich als echte Ausbilder zu verstehen. Weniger sofortiger Gegenwert, mehr Investition in die eigene Zukunft.&#8220;</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei klagen Vereine (mehr ihre Mitglieder als Vorstände) seit Jahren über Überalterung, über fehlenden Nachwuchs. Doch auch dort, wo junge Leute Ideen und Kompetenzen einbringen könnten – bei Digitalisierung, Fanbindung, Vermarktung, bei neuen Angeboten für neue Zielgruppen – werden die Türen geschlossen. Die wenigen bezahlten Stellen werden reduziert und was bleibt, ist unbezahltes Ehrenamt &#8211; und eine Funktionärselite, die von der Beschleunigung der Zeit überfordert ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Professionelle Vereine und Verbände, Sportmarken, Handel, Agenturen, Event-Veranstalter &#8211; sie alle werden lernen müssen, Rampen zu bauen und sich als echte Ausbilder zu verstehen. Weniger sofortiger Gegenwert, mehr Investition in die eigene Zukunft. Ihr Nachwuchs wird nicht mehr in erster Linie dazu da sein, Druckerpatronen auszutauschen. Er wird früher und wirklicher in Arbeitsschritte integriert werden müssen, die er irgendwann in Eigenregie ausüben soll oder in denen seinen Vorgängern die Kompetenz fehlt. Statt nur überflüssige Stellen zu streichen, müssen neue entstehen, die den Talenten noch früher und noch mehr Verantwortung übertragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So gesehen, wird auch diese Herausforderung doch noch zu einer Chance.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Laufschuhe aus der Mikrowelle</title>
		<link>https://hawkeyepod.de/740-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Kratochvil]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Jan 2026 12:44:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie technologische Innovationen die Herstellung von Laufschuhen revolutioniert haben – und warum wir in zwanzig Jahren maßgeschneiderte Modelle selbst zu Hause drucken werden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Zweifelsohne können innovative Sportartikel einen erheblichen Wettbewerbsvorteil mit sich bringen. Nehmen wir als Beispiel ein heute besonders verbreitetes Produkt: Laufschuhe. Schätzungen gehen jährlich von mindestens 200 Millionen produzierten Paar echter Spezialschuhe aus, ein 20-Milliarden-USD-schwerer Markt, krisenfest und wachstumsstark. Laufen liegt im Trend, nicht erst seit COVID.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den ersten Olympischen Spielen der Antike trugen Sportler noch bestenfalls Sandalen mit Knöchelriemen an den Füßen, im Mittelalter musste man sich mit robusten Lederschuhen zufriedengeben. Erst Ende des 19. Jahrhunderts begannen sich die Dinge zu ändern: 1895 stellte das britische Unternehmen&nbsp;<em>J. W. Foster</em>&nbsp;die ersten Spikes her und rüstete damit zahlreiche zukünftige Olympiasieger aus. Zwei Generationen später würde J. W. Fosters Enkel das Unternehmen umbenennen, in den besser klingenden Namen&nbsp;<em>Reebok</em>.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Carbon oder nichts</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Popularisierung des Laufsports als Freizeitbeschäftigung insbesondere in den USA förderte auch die technische Weiterentwicklung von Schuhen. In den 1970er-Jahren verpasste Bill Bowerman den Gummisohlen seiner Laufschuhe mit einem Waffeleisen ein rutschfestes Profil. Gemeinsam mit seinem Zögling Phil Knight nannten übrigens auch sie ihre Marke um, von&nbsp;<em>Blue Ribbon Sports</em>&nbsp;in&nbsp;<em>Nike</em>. Einen großen Einfluss auf die Beschaffenheit, Funktionalität und Herstellung hatte die Entwicklung neuer Kunststoffe. Schuh-Upper aus leichten Polyesterfasern statt Leder oder gedämpfte Mittelsohlen aus geschäumten Elastomeren statt Kautschuk ließen jene Laufschuh-Typen entstehen, die wir heute kennen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dies ist ein Auszug aus dem neuen Buch „Der Sport von morgen – Wie Künstliche Intelligenz, Biohacking oder Klimawandel die Zukunft des Sports verändern“. </strong><a href="https://www.amazon.de/Sport-von-morgen-Intelligenz-Klimawandel/dp/3840379784">Jetzt bestellen</a><strong>.</strong></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">In den Folgejahren unterlagen auch sie unterschiedlichen Trends, meist geprägt von neuen Hypothesen aus der Biomechanik oder Orthopädie: Mal klobig stabil, dann wieder minimal, eher naturalistisch, heute leicht, je nach Streckenlänge eher stark gedämpft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die letzte wesentliche Innovation war die Entwicklung einer in der Schuh-Mittelsohle eingelassenen Carbonplatte im Jahr 2016. Sie sollte Läuferinnen und Läufern helfen, die Energieeffizienz zu steigern, indem sie die Vorwärtsbewegung unterstützt, die Stabilität erhöht und das Abrollen beschleunigt. Nike hatte einen solchen Schuh als erstes auf den Markt gebracht und mit dem Versprechen beworben, er könne Athleten vier Prozent schneller machen. Tatsächlich bestätigte sich der Vorteil, woraufhin Nikes Carbon-Laufschuhe zwischenzeitlich für offizielle Rennen verboten und dadurch noch beliebter wurden. Um keinen Nachteil im Wettbewerb zu haben, verließen viele Topathleten sogar ihre Ausrüster und liefen freiwillig und umsonst mit Nikes Spitzenmodell los. Kurz darauf legte die Konkurrenz um Adidas &amp; Co. mit eigenen Carbon-Modellen nach. Heute gehören sie zum festen Repertoire jeder größeren Laufmarke.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Community statt Innovation?</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Immer leichter, immer schneller, immer bequemer sollen Laufschuhe heute sein. Manche Hersteller versuchen, weitere Argumente ins Spiel zu bringen: Die Marken&nbsp;<em>Altra</em>&nbsp;und&nbsp;<em>Joe Nimble</em>&nbsp;stellen besonders breite Laufschuhe her, damit sich Füße gesünder ausbreiten können.&nbsp;<em>Vivobarefoot</em>&nbsp;und&nbsp;<em>Xero</em>&nbsp;setzen auf minimale Dämpfung, um ein natürlicheres Laufgefühl zu bieten. Marken wie&nbsp;<em>Icebug</em>,&nbsp;<em>Hylo</em>&nbsp;oder&nbsp;<em>Winqs</em>&nbsp;stellten wiederum Schuhe mit umweltschonenderen Materialien und Herstellungsprozessen vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der globale Aufschwung des Laufsports hat nicht nur dazu geführt, dass bestehende Laufmarken gezwungen sind, immer neue (mal mehr, mal weniger wirksame) Technologien präsentieren zu müssen. Außerdem erlebt die Industrie einen Boom an neuen, hochpreisigen Szenemarken wie&nbsp;<em>Bandit, Norda</em>&nbsp;oder&nbsp;<em>Satisfy</em>, die eine stilsichere Brücke zwischen Performance und nischiger Mode schlagen. Mittels weltweit verteilter Laufgruppen aus Fans dieser Marken bilden sich so Communities, von deren Markentreue Unternehmen wie Adidas oder Nike nur träumen können. Laufschuhe sind so nicht nur zu einem hoch-technologischen Produkt, sondern gleichzeitig auch zu einem ernsthaften Fashionstatement geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst die einfachsten Modelle werden mittlerweile aus weit über 30 Einzelteilen gefertigt, hergestellt mit bis zu zehn unterschiedlichen Materialien. Ein aufwendiger, nicht besonders umweltschonender Prozess: Atmungsaktive Upper werden mit Flachstrickmaschinen aus Polyester-Garn hergestellt, Laminiermaschinen verbinden sie mit stabilisierenden TPU-Schichten, und Laserschneidemaschinen sorgen für präzise Zuschnitte. Ultraleichte Schaumstoffe werden per Spritzgussverfahren in Mittelsohlen geformt und mit Torsionssystemen für stabilisierende Mittelfußbrücken verklebt, Außensohlen aus synthetischem Gummi werden in Kompressionsformen eingelegt und vulkanisiert … und nach vielen weiteren Schritten wird ein Schuh daraus.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Viele Konzepte, wenig Wandel</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie es technologisch weitergehen kann, deuten verschiedene Konzeptprojekte an. 2016 stellte&nbsp;<em>Adidas</em>&nbsp;mit seiner&nbsp;<em>Speedfactory</em>&nbsp;eine teilautomatisierte Produktionsstätte vor, 2019 präsentierte man den Laufschuh&nbsp;<em>Futurecraft.Loop</em>, der aus einem einzigen Material bestand und deshalb vollständig recycelbar sein sollte.&nbsp;<em>On Running</em>&nbsp;kündigte 2023 an, Schuhe aus Abgasen herstellen zu wollen. Durch ein spezielles Verfahren könne man CO2-Emissionen per Fermentation in flüssiges Ethanol umwandeln, aus dem dann EVA-Schaumstoff und schließlich eine Schuhmittelsohle namens&nbsp;<em>CleanCloud</em>&nbsp;hergestellt werden könne. 2024 legten die Schweizer nach und präsentierten die LightSpray-Technologie – ein Verfahren, bei dem der Schuhmantel nicht genäht, sondern gesprüht wird. Dadurch würden nicht nur Abfälle und bis zu 75 Prozent der üblichen Schadstoffemissionen vermieden, sondern der Schuh wäre zudem leichter und bequemer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2025 soll wiederum&nbsp;<em>Nike</em>&nbsp;ein Patent für ein innovatives Schuhsystem eingereicht haben, das sogenannte „Active Fluid Control Systems“ beinhaltet. Sie sollen den Halt und die Dämpfung des Schuhs durch in Echtzeit steuerbare Flüssigkeitsbewegungen im gesamten Schuhkörper anpassen. Das&nbsp;<a target="_blank" rel="noreferrer noopener" href="https://run.outsideonline.com/news/nike-applies-for-electronic-fluid-support-control-%E2%80%8Bshoe-patent/">133-seitige Dokument</a>&nbsp;beschreibt unter anderem Ventile, Pumpen, Drucksensoren, Fluidkammern sowie elektronische Bedienelemente und Kommunikationsfunktionen. Ziel soll sein, den Tragekomfort und die Unterstützung dynamisch an unterschiedliche Laufbedingungen und Ermüdungszustände anzupassen. Ob es sich wirklich um bahnbrechende Technologien handelt oder&nbsp;<em>Nike</em>&nbsp;nur einen neuen Innovationstrieb antäuscht, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn was all diese beeindruckenden und vor allem marketingtauglichen Konzepte gemein haben: Bislang hat scheinbar keines von ihnen die Art und Weise verändert, wie die große Mehrheit der Laufschuhe hergestellt und entsorgt wird. Im Wesentlichen laufen wir immer noch in einem verklebten Klumpen unterschiedlicher Plastikteile durch die Gegend. Zwar macht er uns jedes Mal eigenen Sekundenbruchteil schneller, dafür halten moderne Laufschuhe immer kürzer und enden dann meist in Verbrennungsanlagen oder auf überfüllten Müllhalden in Ostafrika.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Drei Revolutionen</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist aber absehbar, dass wir in den kommenden Jahrzehnten einige revolutionäre Entwicklungen erleben werden – nicht nur, weil sie technisch möglich sein werden, sondern weil strengere ökologische Vorgaben und der dringende Bedarf an sichereren Lieferketten sie erforderlich machen. Dabei werden drei Bereiche Veränderungen mit sich bringen, die sich auch auf andere Sportartikel übertragen lassen, auf Tennissocken etwa oder auf Skibrillen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Künstliche Intelligenz wird uns mit neuen Rezepturen helfen, perfekt&nbsp;<strong>optimierte Materialien</strong>&nbsp;zu entwickeln. Dabei wird es nicht nur um Gewicht oder Atmungsfähigkeit gehen. Supramolekulare Polymere (lose Kunststoff-Strukturen) werden die Langlebigkeit von Laufschuhen massiv verbessern. Schwache, reversible Wasserstoffbindungen werden es ermöglichen, anpassbare sowie selbstreparierende Stoffe herzustellen, die sich bei Belastung lösen, wieder verbinden und so selbst heilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Materialien werden Mechanismen aus der Natur nachahmen können, bei denen zirkulierende Flüssigkeiten oder Nanopartikel Schäden erkennen und reparieren. Auch werden neue Stoffe auf magnetische oder elektrische Felder reagieren, was es ermöglicht, mit einfachen Magneten Moleküle neu zu ordnen und so etwa Sohlen zu reparieren. Formbare, graphenbasierte Polymere, die leicht, aber praktisch unzerstörbar sind, werden unsere Laufschuhe extrem widerstandsfähig machen können – sofern es die Hersteller zulassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir werden lernen, noch umfassender erdölbasierte durch biobasierte, nicht toxische Kunststoffe zu ersetzen, etwa aus Mais- oder Zuckerrohrabfällen. Molekulares Recycling, das bei Textilien schon heute angewandt werden kann, wird jeden Schuh am Ende seines Lebens in seine molekularen Einzelteile zerlegen und wiederverwerten lassen. Spezielle Enzyme werden es ermöglichen, selbst die robustesten Stoffe kompostierbar zu „programmieren“, sobald sie nicht mehr für ihren ursprünglichen Zweck verwendet werden. Auf diese Weise werden wir auch das enorme Müllproblem der Industrie angehen können, die heute allein mit Laufschuhen jährlich etwa 80.000 Tonnen Kunststoffmüll hinterlässt und Wasser, Erde und Luft mit Mikroplastik verschmutzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neue Materialien werden aber nicht nur langlebiger, leichter oder umweltfreundlicher sein, ihre Formbarkeit wird es außerdem ermöglichen, Laufschuhe bis ins letzte Detail zu&nbsp;<strong>personalisieren</strong>. Dabei sind keineswegs wie heute nur Farbvarianten und gestanzte Initialen gemeint. Basierend auf präzisen Körperscans werden wir in der Lage sein, umfassende biometrische Angaben in entsprechenden Datenbanken abzulegen und sie in verwertbare technische Anweisungen zu übersetzen. Nicht nur wird unsere Fußform präzise vermessen, unser Datenprofil wird auch Parameter wie Motorik, Laufstil, bevorzugte Streckenarten, Verletzungen oder sogar unsere Knochendichte beinhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der anschließenden Produktion werden dann neben der idealen Größe auch die Dämpfung, die Form des Fußbetts, die Schuhsprengung sowie alle Stabilisierungselemente angepasst. Dabei wird uns auch der medizinische Fortschritt zugutekommen, der stetig bessere Anweisungen liefern wird, wie wir mit Verletzungen oder Fehlstellungen umgehen sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich sind derartige Maßanfertigungen heute noch technisch unmöglich und wären auch unerschwinglich. Es gibt aber bereits Lösungen, die zumindest unsere Laufeigenschaften präzise vermessen: Einlegesohlen des niederländischen Unternehmens&nbsp;<em>Arion</em>&nbsp;analysieren beispielsweise, wie unser Fuß beim Laufen auftritt, und helfen so, die Lauftechnik zu verbessern oder die richtigen Schuhe zu finden. Das schwedische Unternehmen&nbsp;<em>Qualisis</em>&nbsp;ermöglicht es, mithilfe eines Motion-Capture-Verfahrens die Laufmotorik von Läuferinnen und Läufern zu vermessen, sie mit den optimalen Bewegungsachsen von Profiläufern zu vergleichen und so Verbesserungsvorschläge für einen effizienteren und gesünderen Lauf zu machen. Doch selbst wenn uns alle Daten zur Verfügung stünden, um unseren perfekten Laufschuh entwerfen zu können, ließe sich dieser über konventionelle, auf Massenproduktion ausgelegte Fertigungsstraßen nicht herstellen. Doch auch dieser Prozess wird sich ändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laufmarken werden darauf hinarbeiten, ihre gesamte Lieferkette nach und nach zu verkürzen, bis sie eines Tages in einem einzigen 3D-Druck-ähnlichen Fertigungsprozess gebündelt wird. Diese Vereinfachung der Produktion wird es ermöglichen, Laufschuhe&nbsp;<strong>dezentral herzustellen</strong>&nbsp;– außerhalb von Fabriken, etwa bei Marathonläufen, in Sportgeschäften oder irgendwann auch bei jedem von uns zu Hause. Der US-amerikanische Futurologe Michio Kaku beschrieb in seinem Buch&nbsp;<em>Die Physik der Zukunft</em>&nbsp;einen&nbsp;<em>Replikator</em>, in Anlehnung an das gleichnamige Gerät aus der Science-Fiction-Serie&nbsp;<em>Star Trek</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie eine magische Mikrowelle wird dieses Gerät in einer Ecke unserer Wohnung kleine Wunder vollbringen. Anstatt in Geschäften physische Ware zu kaufen, werden wir in absehbarer Zukunft lediglich eine Produktlizenz erwerben. Mit einem entsprechenden Bauplan-Code und dem Herstellungsauftrag versorgt, legt der Replikator los: Mit speziellen Materialkartuschen (ähnlich wie Tintenpatronen bei heutigen Druckern), die etwa Biopolymere oder Graphen beinhalten, und präziser Nanotechnologie werden einzelne Moleküle Koordinate für Koordinate zu unserem neuen Laufschuh angeordnet – auf den Nanometer genau, personalisiert nach unserem biometrischen Profil und unseren Wunschanpassungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Übrigen gibt es keinen Grund, warum ein solcher Replikator, wenn mit den richtigen Kartuschen versorgt, nicht auch jeden anderen Gegenstand produzieren könnte – von den erwähnten Tennissocken über Lavalampen bis hin zu Nudelgerichten oder sogar Körperteilen. Ein solches Verfahren wird nicht nur unsere eigenen Besorgungen vereinfachen. Es wird außerdem den bestehenden Welthandel erschüttern, der auf internationalen Lieferketten basiert. Schritt für Schritt werden Fabriken und ihre Zulieferer Aufträge an lokale Fertigungsstätten verlieren. Statt in China oder Vietnam werden Schuhe immer näher am Endkunden hergestellt – in spezialisierten Laufgeschäften oder regionalen Fertigungsstätten der Marken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur Läuferinnen und Läufer, sondern auch der Sporthandel wird von dieser Entwicklung zunächst profitieren: geringere Produktions- und Lagerrisiken, günstigere Herstellungs- und Logistikkosten, kürzere Lieferzeiten. Sobald sich Replikatoren jedoch zu alltäglichen Haushaltsgeräten entwickeln, wird auch dieser Teil der Lieferkette entfallen. Übrig bleiben werden Laufmarken, deren Designer und Ingenieure neue Modelle codieren oder von KI codieren lassen (und von einem Tag auf den anderen updaten), sowie Läuferinnen und Läufer, die sich ihre Laufschuhe online aussuchen, herunterladen und zu Hause drucken lassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Fortschritt braucht Geduld</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wann uns eine magische Mikrowelle unseren maßgeschneiderten, unzerstörbaren, kompostierbaren Laufschuh zubereiten wird? Man könnte denken, dass all diese Innovationen schon um die Ecke auf uns warten. Tatsächlich sind wir bereits heute imstande, Moleküle durch 3D-Drucktechnologien oder molekulare Maschinen (Nanomaschinen) herzustellen und zu manipulieren: Peptid-Synthesizer, die Sequenzen von Aminosäuren drucken, biotechnologische Verfahren wie die DNA-Origami-Technologie, die DNA-Abschnitte für genetische Forschung oder die Herstellung von Proteinen flechten. Die Präzision eines solchen „Moleküldrucks“ reicht aber noch bei Weitem nicht aus. Insbesondere größere und komplexe Moleküle sind äußerst schwer herzustellen. Auch ist der Prozess noch sehr teuer und meist nur für Forschungseinrichtungen zugänglich. Hinzu kommt, dass der Entwicklungszustand heutiger Kunststoffe wie Polyester oder EVA und anderer Materialien erst recht primitiv ist; auch die Herstellung „universeller“ Kartuschen wird noch einiges an Zeit benötigen. Doch der technologische Fortschritt beschleunigt sich exponentiell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu könnte eine Künstliche Allgemeine Intelligenz (siehe auch dazugehöriges Kapitel) von einem Tag auf den anderen sämtliche Blaupausen für neue Materialien, Körperscans und Replikatoren liefern. Gehen wir von Expertenschätzungen aus, wann welches der beschriebenen Probleme gelöst sein dürfte, werden wir vermutlich bis 2030 die ersten vollautomatisierten Laufschuh-Produktionen erleben, bis 2040 die ersten gänzlich individualisierten Laufschuh-Paare und bis 2050 die ersten Replikatoren, die zunächst einfache und später immer komplexere Konsumgüter herstellen werden. Allen technologischen Entwicklungen zum Trotz, in unseren neuen Schuhen laufen dürfen wir dann aber immer noch selbst.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Mehr als nur Laufschuhe</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie erwähnt, sind futuristische Laufschuhe nur ein Beispiel für das Potenzial, das uns kommende Technologien erschließen lassen werden. Die Vorboten sehen wir schon heute überall, etwa bei der Entwicklung von Helmen. Zur&nbsp;<em>Tour de France</em>&nbsp;2024 präsentierte Radstar Jonas Vingegaard einen extravagant ausgeformten Zeitfahr-, also eine Art Sprinterhelm. Entwickelt in Zusammenarbeit mit seinem Team, zeichnet er sich durch ein kurioses Design aus, das Kopf, Unterarme und Lenker aerodynamisch vereint, um die Luftströmung zu optimieren und den Luftwiderstand zu minimieren. Der Helm wurde in Windkanaltests und bei Etappenrennen erprobt und verhalf Vingegaard (neben viel Spott seitens seiner Konkurrenten) zumindest zum zweiten Platz hinter Toursieger Pogačar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das britische Unternehmen&nbsp;<em>Rheon</em>&nbsp;will wiederum ein gleichnamiges energieabsorbierendes Superpolymer entwickelt haben, das in seinem natürlichen Zustand weich und flexibel ist, aber beim Aufprall verhärtet, um deutlich mehr Energie absorbiert als herkömmliche Materialien. Es wird bereits in modernen American-Football-Helmen genutzt, um Impulskräfte zu reduzieren und den Schutz bei Kollisionen zu erhöhen.&nbsp;<em>Rheon</em>&nbsp;kann aber auch in anderen Sportarten verwendet werden, etwa in Laufbekleidung, Motorradschutzkleidung und Padel-Schlägern, wo es zur Reduzierung von Muskelermüdung oder zu geringeren Vibrationen beiträgt.</p>
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