Luft nach oben

Neben dem Aufstieg der globalen Mittelschicht ist Frauensport der größte Wachstumstreiber der Sportindustrie. Wie sehen die Verhältnisse in den knapp 70 vom DOSB erfassten Sportarten aus?
Share

Es war ein langer Weg zu den ersten „paritätischen“ Olympischen Spielen in Paris. Zu den ersten Olympischen Spielen der Moderne, 1896 in London, an denen 241 Athleten aus 14 Ländern starteten, war noch keine einzige Frau zugelassen. Vier Jahre später in Paris durften sich dann zumindest 22 Athletinnen (von insgesamt 997 Teilnehmern) in den Sportarten Tennis, Golf, Segeln, Croquet und Reiten messen. An den darauf folgenden Spielen wuchs zwar der weibliche Anteil, 1960 in Rom waren es aber immer noch gerade mal elf Prozent (611 von 5.338), 1984 in Los Angeles 23 Prozent (1.566 von 6.829). Erst ab Atlanta 1996 (34 Prozent) beschleunigte sich die Angleichung bis zur Gleichstellung 2024.

Laut McKinseys jüngster Studie wuchsen Umsätze im Frauensport zwischen 2022 und 2024 ganze 4,5-mal schneller als die der Männer. Das stärkste aktuelle Wachstum weist dabei Fußball auf mit einem Plus von 25 Prozent über die vergangenen vier Jahre. Insbesondere in Großbritannien erlebt der Sport einen Boom. Seit 2017 ist dort die Zahl der gemeldeten Frauenteams von 5.632 auf über 12.000 im Jahr 2023 (von 55.000 weltweit) explodiert, besonders angetrieben von den Erfolgen des englischen Nationalteams und der verstärkten Medialisierung. Noch ist die Entwicklung aber weltweit ungleichmäßig verteilt: 59 Prozent aller weiblicher Teams sind in Europa aktiv, 22 Prozent in Mittel- und Nordamerika und jeweils acht Prozent oder sogar weniger in den übrigen Kontinentalverbänden.

Trotzdem ist Fußball bei Weitem kein Vorreiter beim Thema Gleichstellung, im Gegenteil – seine Maßnahmen sind dank seiner Größe nur am meisten sichtbar. Viel aussagekräftiger ist das Verhältnis von Frauen und Männern bei registrierten Mitgliederzahlen. Wir haben dazu die jüngste Bestandserhebung 2025 des DOSB ausgewertet und daraus eine sortierbare Tabelle gebaut.

Mit einem Verhältnis von 87:13 (Männer:Frauen) belegt darin Fußball gerade mal den 62. von 69. Plätzen – was gleichzeitig auf Versäumnisse in der Vergangenheit sowie aber auch auf ein enormes Potenzial für die Zukunft hinweist. Unter Teamsportarten ist auch bei Basketball mit 76:24 noch viel Luft nach oben. Handball weist mit 61:39 hingegen ein deutlich gesünderes Verhältnis auf, Volleyball ist sogar der einzige klassische Teamsport mit einem positiven Verhältnis von 49:51.

Wie Nanotechnologien den Sport verändern werden

Prev

Die Playtomisierung des Sports

Next
Lecker Newsletter
Lecker Newsletter
Lecker Newsletter
Bleib im Loop
Lecker Newsletter
Neuer Artikel? Neue Podcast-Folge?