Je genauer und kleinmaschiger wir unseren Körper formen können, desto effizienter, aber auch wirkungsvoller werden verschiedene Maßnahmen des Biohackings sein (mehr dazu, siehe gleichnamiges Kapitel im Buch). Nanotechnologien – also die Gestaltung und Manipulation von Materialien auf extrem kleiner Skala ab einem Nanometer, also dem Milliardstel eines Meters – sind schon seit den 1970er-Jahren eine wissenschaftliche Kategorie und spielen bereits heute eine wichtige Rolle, nicht nur in der Medizin.
Durch die gezielte Medikamentenabgabe können gelenkte Nanopartikel Wirkstoffe direkt an spezifische Zellen oder Gewebe liefern, etwa Liposomen, die Chemotherapeutika direkt zu Tumoren transportieren. In der Diagnostik ermöglicht Nanotechnologie die Entwicklung hochempfindlicher Geräte, die den gesundheitlichen Zustand und damit sich anbahnende Krankheiten mit Vorlauf präzise analysieren können.
Quantenpunkte (winzige Teilchen, deren Größe ihre Farbe vorgibt) und Gold-Nanopartikel werden beispielsweise in der Bildgebung und bei diagnostischen Tests eingesetzt. Nanomaterialien finden auch in der regenerativen Medizin Anwendung, indem sie als künstliche Gerüste dienen, die Zellwachstum fördern und Heilung beschleunigen. Dies ist besonders nützlich bei der Regeneration, etwa nach Knochenbrüchen von Skifahrern oder Hautverletzungen bei Unfällen im Motorsport.
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Implantate und Prothesen profitieren wiederum von Nanobeschichtungen, die die Verträglichkeit steigern und die Abstoßung durch den Körper verringern. Im Sport sind insbesondere Nanopflaster und Gele beliebt, die therapeutische Wirkstoffe direkt an verletzte oder schmerzende Stellen liefern. Auf diese Weise soll die Heilung von Muskel- und Gelenkverletzungen beschleunigt werden, was wiederum Muskelkater nach intensiven Trainingseinheiten reduziert und die Rehabilitation nach Verletzungen verbessert.
Von Patrouille bis Hausmeister
Nanotechnologien bieten somit enormes Potenzial, bereits bestehende Methoden der Medizin – aber auch des Biohackings – um ein Vielfaches wirkungsvoller zu machen. Aus diesem Grund werden sie in den kommenden Jahrzehnten immer häufiger im Alltag von Athletinnen und Athleten aufzufinden sein. Nanobots werden im Blutkreislauf patrouillieren und selbst die kleinsten Verletzungen in Muskeln sofort reparieren, was die Erholungszeit nach intensiven Trainingseinheiten und Wettkämpfen drastisch verkürzen wird. Der Körper wird somit kaum mehr Rehabilitation erfordern, was die Frequenz von Trainingseinheiten anheben und die daraus resultierenden Wettkampfleistungen verbessern wird.
Derartige Mini-Roboter werden auch Eigenschaften wie die Knochendichte optimieren können und so die Knochen stärken, um das Risiko von Brüchen und Verletzungen zu minimieren. Nanokapseln werden Sauerstoff oder diverse Supplements gezielt und zeitgesteuert an die benötigten Körperregionen liefern, was den Muskelaufbau im Training, aber auch die Performance als solche verbessern wird.
Nanotechnologien werden auch im Parasport eine zentrale Rolle spielen. Sie werden zunächst dazu beitragen, dass verschiedene Behinderungen bei Bedarf gar nicht erst entstehen werden: Nanobots werden beispielsweise dazu eingesetzt, um das Wachstum von Nervenzellen zu fördern, beschädigte Verbindungen im Rückenmark zu reparieren und so Querschnittslähmungen zu behandeln.
Nanotechnologie könnte die Entwicklung von fortschrittlichen retinalen Prothesen ermöglichen, die Licht in elektrische Signale umwandeln und so Sehvermögen wiederherstellen. Aber auch bei unvermeidbaren Konditionen werden Nanotechnologien einen großen Unterschied machen: Prothesen etwa werden mit nanoskaligen (also in „Nano-Größe“ winzigen) Sensoren und Aktuatoren ausgestattet, um die Bewegungssteuerung und Empfindlichkeit zu verbessern, was dann eine nahezu natürliche Bewegungsfähigkeit ermöglicht.
Nanoskalige Neuro-Enhancer – appliziert durch Injektionen, Pillen oder auch Nasenspray – werden auch kognitive Fähigkeiten verbessern, indem sie neuronale Verbindungen stärken und beispielsweise bei Orientierung, Erinnerungsvermögen oder Reaktionszeiten helfen. Dies wird Tennisspielern ebenso wie Eishockey-Torhüterinnen oder Boxern helfen, also Athletinnen und Athleten, bei denen schnelle Entscheidungsfindung und Reaktionen wichtig sind. Nanotechnologie wird auch komplexe Eingriffe an unserem Gehirn ermöglichen, die heute aufgrund von fehlender Präzision nicht umsetzbar sind. In nicht allzu ferner Zukunft werden Athletinnen und Athleten mittels Gehirn-Computer-Schnittstellen direkt mit digitalen Instrumenten, insbesondere mit Künstlicher Intelligenz kommunizieren.
Von verbesserter Reaktionszeit über die Aufnahme von Informationen (z. B. taktische Anweisungen durch einen KI-Trainer) bis hin zur Steuerung von Prothesen oder sogar loser Gegenstände mit unseren Gedanken (z. B. Exoskelett-Kampfroboter oder Drohnenrennen): Das Anwendungspotenzial hängt dann nur noch von unserer Fantasie ab.


